Sonntag, 18. März 2012

Der zweibeweibte Graf von Gleichen - Cachen im "Drei-Gleichen"-Gebiet (3)

"Anfang des 13. Jahrhunderts brach Graf Ernst von Gleichen zu einem Kreuzzug in den Orient auf, bei dem er in Gefangenschaft geriet. Die schöne Tochter des Sultans, in dessen Gewalt er sich befand, verliebte sich jedoch in ihn und flüchtete mit ihm gemeinsam. Auf der Reise nach Thüringen führte der Weg allerdings zuerst nach Rom, da der Graf die hübsche Sarazenin heiraten wollte. Da er aber bereits eine Gemahlin daheim auf der Burg Gleichen hatte, musste er sich die Erlaubnis des Papstes zur Zweitehe einholen. Seine Bitte wurde ihm von diesem auch gewährt und er kehrte frischvermählt zurück in die Heimat. Die auf ihn wartende Burgherrin, froh über die glückliche Rettung ihres Ehemannes, schloss dessen orientalische Gattin dankbar in die Arme und alle drei lebten in trauter Einvernehmlichkeit bis ans Ende ihrer Tage."

Soweit die zusammenfassende Kurzform der "Sage vom zweibeweibten Grafen von Gleichen", die auch über die thüringischen Landesgrenzen hinaus in verschiedenen Varianten verbreitet ist. Sie sorgte dafür, dass die Burg Gleichen (auch die "Wanderslebener Gleiche" genannt) wohl die bekannteste des Burgenensembles "Drei Gleichen" ist.

Weniger bekannt ist allerdings, dass als Urheber dieser Sage nicht der Volksmund des Gebietes (wie sonst meist üblich), sondern kein Geringerer als Landgraf Philipp I. von Hessen (1504-1567) verantwortlich zeichnet.

Philipp I., auch der Großmütige genannt, liebte nämlich das Hoffräulein Margarete von der Saale und wünschte diese zu ehelichen. Dummerweise war er aber bereits mit der Prinzessin Christine von Sachsen verheiratet und wollte bzw. konnte aus politischen Gründen diese Ehe nicht aufgeben.

Bei einem seiner Aufenthalte im thüringischen Erfurt sah er im dortigen Peterskloster eine Grabplatte, die dem Grafen Ernst von Gleichen zugeschrieben wurde und auf der, für das 13. Jhd. eher nicht gerade üblich, links und rechts neben dem Grafen zwei Frauen abgebildet waren.

Ernst von Gleichen war tatsächlich Teilnehmer des Kreuzzuges von 1221 nach Ägypten und das war Philipp Thema genug, auf der Basis der Grabplatte eine abenteuerliche Geschichte zu erfinden, die das Rückgrat der Umsetzung seines Wunsches nach einer Zweitehe mit Margarete bilden sollte.

Als glühender Anhänger und Verfechter der von Martin Luther in Gang gebrachten Reformation war es ihm wichtig, dessen Zustimmung zu der im christlichen Abendland als unmoralisch angesehenen und schwer bestraften Doppelehe zu erhalten. Seine Position als militärischer Beschützer der Bewegung ausnutzend (er war Mitgründer des Schmalkaldischen Bundes), ersuchte er 1539 mit einem Brief an Luther und dessen Mitstreiter Philipp Melanchthon nicht nur um die Erfüllung seiner Bitte, mehr noch, um die Legitimation seines Verlangens. Der Brief war gespickt mit Zitaten aus der Bibel und subtil eingestreuten Drohungen über einen möglichen Seitenwechsel ins katholische Lager und dem Hinweis auf den vom Papst höchstpersönlich erteilten Dispens in Sachen Ernst von Gleichens und dessen schöner Sarazenin als Präzedenzfall.

Dieser Wunsch versetzte die beiden Reformationsväter in arge Bedrängnis. Schlussendlich "genehmigte" Luther die Zweitehe. Melanchthon sorgte durch seine Schüler Veit Winsheim für die Verbreitung der "historischen Geschichte" des Gleichengrafen und nahm auch selbst an der 1540 stattgefundenen Trauung von Philipp I. und Margarete teil. Die von den Reformatoren bewilligte "Bigamie" hat allerdings den Gegnern derselben schwer in die Hände gespielt und die junge Bewegung knapp an den Rand des Scheiterns gebracht.

Die "historische Begebenheit" des Kreuzzuges und der Rettung des Grafen von Gleichen aus sarazenischer Gefangenschaft durch die Liebe zu der schönen Sultanstochter wurde im Laufe der Jahrhunderte jedenfalls mehrfach auf- und umgeschrieben. So hieß der Graf mal Ernst, mal Ludwig, seine (abendländische) Frau mal Ottilie, mal Bertha, die Sarazenin mal einfach nur "Türkin", dann wieder Melechsala (eine Anspielung auf Margarete von Saale?).

Wer sich noch näher mit diesem Thema befassen möchte, dem sei der auf DVD erschienene Film "Ehe zu dritt" aus der Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands" des MDR wärmstens empfohlen.



Blick von der Mühlburg zur Burg Gleichen


Rund um die von dem "sagenhaften" Grafen und seinen beiden Frauen bewohnte Burg Gleichen in der Nähe von Wandersleben wurden sicher nicht nur des romantischen Themas wegen, sondern auch wegen der bereits in den vorigen Posts geschilderten großartigen Landschaft etliche Caches gelegt. Einige davon verdienen m. E. besondere Erwähnung:


"Burg Gleichen-Mit dem Handy ins Mittelalter" (GC1QB3C) -Multi-

Eine wirklich nette Idee, Moderne und Historie zu verknüpfen! Den Ausblick genießen und unbedingt die Burg besuchen! (Das "dreischläfrige" Bett des zweibeweibten Grafen ist zwar nicht mehr zu sehen, doch romantisch mutet der Ort auch heute noch an!) ;-)

"Kaffberg" (GCW0AD) -Tradi-

Die Terrain-Wertung sollte wirklich ernst genommen werden, nur in Schlappen oder im Rüschenkleid wird das nix! Allerdings ist eine gigantische Aussicht der Lohn der Mühe.

"Kyff'er grüßt Kaff'er" (GC1W3C0) -Tradi-
 
Nette kleine Wanderung durch die tolle Natur des Kaffbergs (kann auch gut mit dem Tradi "Kaffberg" verbunden werden), das Versteck ist im wahrsten Sinne des Wortes "Spitze"!

"Geopark "Drei Gleichen" - Saurierfunde" (GC3AAA9) -Earthcache-

Einfach nur "urig"!

"Drei-Burgen-Blick - im Freudenthal" (GC3D489) -Tradi-

In dem Bewusstsein, sich an "historischer" Stelle zu befinden, kann am Ende der Runde in der Gaststätte "Freudenthal" eingekehrt werden. Nomen est omen: Hier soll nämlich vor fast 800 Jahren die Gräfin von Gleichen ihren heimkehrenden Gatten nebst sarazenischer Zweitfrau in übergroßer Freude empfangen haben ... Diesen Tradi zum Abschied von den "Drei Gleichen" nicht vergessen!

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